Der Ruf nach „Social Skills“ macht die Auseinandersetzung mit den Tugenden in der postmodernen Ära wieder salonfähig. In Birkbrunn ging es immer schon darum, wie diese Grundhaltungen als beständige, feste Neigungen, das Gute zu tun, im eigenen Leben integriert werden können.

Ohne Tugenden keine Identität des Menschen; denn ohne Tugend fehlt jene positiver Verhaltensgrund, der für persönliches Wachstum, Verantwortungssinn und Bindungsfähigkeit des Menschen gefordert ist. Die gute Nachricht: Wir sind nicht einfach unserer Natur ausgeliefert, jeder kann positive Charakterhaltungen durch Übung erwerben. Die schlechte Nachricht: Der Weg dorthin ist harte Arbeit. Wer ein Instrument lernen möchte, muss anfangen zu spielen und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. Mit der Übung wird es zunehmend leichter, und man gelangt auf ein immer höheres Niveau.

Zusätzlich müssen die erlernten Fähigkeiten in gute Gewohnheiten und charakterliche Haltungen übergehen. Nur so können sie „zur zweiten Natur“ werden, die Selbstbeherrschung, Realitätssinn, soziale Kompetenz und Teamfähigkeit klar zu Tage fördern. Wie muss ein Bildungsprojekt beschaffen sein, das zur Vermehrung dieses Humankapitals beitragen soll? Für Trainer und Trainees ist es unerlässlich, einander mit Respekt zu begegnen. Als weitere Faktoren für gute Bildungsarbeit haben – in Anlehnung an Augustinus – die Liebe zum Menschen, Taktgefühl und die Fähigkeit, im anderen den Sinn für das Geheimnis zu erschließen, einen hohen Stellenwert.

Dazu kommen hohe Selbstmotivation, ein langer Atem, starke Überzeugungen sowie Sinn für die Gemeinschaft. In Bildungseinrichtungen geht es darum, die Freude an kooperativen Gütern zu vermitteln. Bildung ist ein kooperatives Gut: Wenn es geteilt wird, wird es mehr, im Unterschied zu den kompetitiven Gütern, die durch Teilen weniger werden. Die Aufgabe jeder Bildungseinrichtung liegt so auch darin, am Aufbau einer menschlicheren Gesellschaft mitzuwirken. Daher braucht es eine klare Besinnung auf die ursprüngliche Frage der Ethik, die zeigt, was den guten Menschen ausmacht.