Die Baugeschichte: die Brücke zum 21. Jahrhundert

BirkbrunnNeu ist die Bezeichnung für die jetzt abgeschlossene, gründliche Sanierung und Erweiterung der im 19. Wiener Gemeindebezirk 1913 erbauten Villa, in der das Studentenhaus Birkbrunn untergebracht ist.

Ein Wiener Juwelier namens Rudolf Steiner hatte 1912 den Bau des Hauses am Linnéplatz im Cottageviertel in Auftrag gegeben, vierzig Jahre, nachdem der Stararchitekt des Wiener Historismus des 19. Jahrhunderts, Heinrich von Ferstel, den „Wiener Cottage Verein“ ins Leben gerufen hatte. Als Steiner sein großzügiges Haus bauen wollte, wählte er einen Architekten der Übergangsgeneration, Theodor Schreier.

Zur gleichen Zeit, als die Wiener Sezession ihren Durchbruch als eigenständige Kunstströmung erlebte, hatte sich in Glasgow eine ähnliche Bewegung entwickelt. In der Steiner-Villa spiegelte alles den schottischen Jugendstil wieder. Das Haus war eigentlich ein Ausdruck des Nonkonformismus gegenüber den historizistischen Villen, die in der Nachbarschaft unter Einfluss von Ferstel entstanden waren.

Als die Eigentümer 1964 beschlossen, das Haus zu verkaufen, befand sich die Villa in einem sehr schlechten Zustand. Erst nach einer notdürftigen Adaptierung konnte dort ein anspruchsvolles Kulturzentrum und Studentenheim entstehen. In einem Haus, in dem ursprünglich nur eine Familie mit dem Hauspersonal gewohnt hatte, fanden damals insgesamt vierundzwanzig Studenten Platz.

Die positiven Erfahrungen mit dem neuen Konzept des Hauses – eine offene Akademie für viele und gleichzeitig ein Studentenhaus für wenige zu sein – erforderten im Laufe der Jahre einige Umbauten. Die 2010 abgeschlossene Phase der Baugeschichte des Hauses ist die umfassendste Erneuerung, die bisher durchgeführt wurde. Dank der unermüdlichen Arbeit der Architekten Johannes Berger (Entwurf) und Ewald Zeller (Durchführung) konnte die architektonische Struktur des Originalbaus erhalten bleiben.

Es war unumgänglich, im gesamten Altbau eine gründliche Sanierung vorzunehmen, bessere Räumlichkeiten und Arbeitsbedingungen für das Personal herzustellen (neue Küche und Einbau eines Liftes), sowie eine Neugestaltung des Souterrains (Studierzimmer, Besprechungszimmer, PC-Raum usw.) und einen Ausbau des Dachgeschosses in Angriff zu nehmen

Zusätzlich wurden weitere Einzelzimmer mit Nasszellen ausgestattet sowie ein weitläufiger Veranstaltungsraum mit großzügigem Foyer und ein neues Speisezimmer angebaut. Dabei wurden gestalterische und ökologische Standpunkte berücksichtigt.

Das Studentenhaus behält auch weiterhin das Ambiente eines „offenen Hauses“, nicht nur durch seinen neu gestalteten Garten, sondern auch durch den neuen Veranstaltungsraum, der gartenseitig ganzflächig geöffnet ist. Die Verbindung zwischen dem leichten Neubau und der alten Villa wurde durch eine zweigeschossige, luftige Stahl- und Glasbrücke hergestellt – wortwörtlich eine Brücke zwischen dem 20. und dem 21. Jahrhundert.